Meerschweinchen-Gesundheit
Krankheiten:
Vitamin C können Meerschweinchen
nicht selbst bilden, es muss über die Nahrung zugeführt
werden. Sehr Vitamin C-haltig sind z.B. Petersilie, Paprika, Spinat
oder Broccoli. Diese sind aber auch sehr kalziumhaltig. Zu viel
Kalzium kann Harngries oder schlimmstenfalls Blasensteine verursachen,
was schnell lebensbedrohlich wird für die Tiere. Es ist deshalb
wichtig, auf Vitamin C-reiche Ernährung zu achten, aber nicht
nach dem Prinzip „viel hilft viel“, denn zu viel Kalzium
ist für die Tiere auf Dauer auch schädlich.
Am besten fährt man nach dem Prinzip des „bunten Tellers“
= immer mehrere Gemüse- und Obstsorten gemischt füttern,
dann ist eine ausgewogene Vitamin- und Mineralienversorgung gewährleistet.
Wer einseitig füttert, z.B. nur Karotten oder nur Löwenzahn,
riskiert schneller kranke Tiere. Viel Salat oder zuckerhaltiges
Obst führen z.B. oft zu Durchfall.
Rote Beete (auch getrocknet), Brennessel (nur getrocknet oder angewelkt
füttern) und Wirsing sind ebenfalls sehr Vitamin C-reich.
Wer mehr über die genauen Inhaltsstoffe der einzelnen
Futtermittel erfahren möchte, dem sei die Internetseite www.diebrain.de
ans Herz gelegt.
Blähungen: Wenn Meerschweinchen
Futter verabreicht bekommen, das sie (noch) nicht gewohnt sind,
gibt es schnell Blähungen. Die Tiere gasen dann auf, was auf
einem Röntgenbild gut zu sehen ist, sie haben große Schmerzen
und fressen wenig oder gar nicht. Auch zuviel Gras, Salat oder Kohlarten
wie Kohlrabi(blätter) können Blähungen verursachen.
Sab simplex-Tropfen (für Säuglinge) aus der Apotheke wirken
im Notfall sehr schnell und gut! Einige Tropfen auf den Zeigefinger
und seitlich ins Mäulchen verabreichen.
Durchfall: Höchstens
ein Heu-Tag als „Versuch“, Kamillentee ins
Trinkwasser. Wenn es nicht besser wird, sofort zum Tierarzt. Meerschweinchen
können innerhalb 1-3 Tagen sterben, da sie Krankheiten sehr
gut „verstecken“, ihr Instinkt läßt sie so
handeln, da in der Natur sonst der Ausschluß aus der Herde
droht. Bei weichem Stuhl reicht meistens die Reduzierung von Frischfutter
über 1-2 Tage.
Auffälligkeiten im Fell:
Nicht jede Kratzwunde oder schuppige Haut ist gleich ein Pilz oder
Milbenbefall. Unseren Erfahrungen nach sind Hautprobleme oft durch
Stress verursacht (Gruppe harmoniert nicht, falscher Standort/zu
laut, häufiger Besitzerwechsel etc.).
Eine Parasitenbehandlung darf nur nach tierärztlicher Diagnose
und nur bei einem bestätigten Befund erfolgen. Eine vorbeugende
Behandlung ist nicht möglich. Werden solche Mittel trotzdem
vorbeugend verabreicht, belasten diese den Organismus (Leber und
Niere) der Tiere noch zusätzlich.
Bei leichten Hautproblemen erzielten wir gute Erfolge mit Kieselerde-
und Propolispulver. Dazu Kapseln auseinanderziehen, Pulver in eine
Schale schütten, mischen, die Finger betupfen und in das Fell
einreiben (vorsichtig, damit es vom Tier nicht eingeatmet wird)
über einen Zeitraum von ca. 1 Woche. Stärkt die Immunabwehr
und unterstützt die Ausheilung bei Hautproblemen.
Auch Johanniskrautöl hat einen heilenden Effekt und hilft den
Tieren, sich in ihrer Haut wieder wohlzufühlen. Auch wenn das
Schweinchen ölig aussieht, hat es den Vorteil, dass die Haut
weniger spannt und der Juckreiz nachläßt. Weniger Juckreiz
ist auch weniger Stress, die Gesundung schreitet manchmal so rasch
fort, dass man das Gefühl hat, dabei zuschauen zu können.
Mangelerscheinungen können
sich durch stumpfes Fell äußern, evt. Lippengrind, Juckreiz,
weil die Haut zu trocken ist o.ä., Vitamin C wird am besten
als Ascorbinsäurepulver (Drogerie oder Apotheke) verabreicht,
ca. 2 x wöchentlich über das Frischfutter streuen (hilfreich:
in Salzstreuer füllen) und mehr Vitamin C-haltige Nahrungsmittel
füttern. Lippengrind deutet auf Mangel an essentiellen Fettsäuren
hin, z.B. etwas Sonnenblumenöl auf den Grind tupfen oder 1-2
x wöchentlich Sonnenblumenkerne zufüttern. Auch Leinsamen
zum Trockenfutter gemischt hilft.
Zähne: Nimmt ein Tier
ab und frißt wenig bis nichts – bitte sofort zum Tierarzt.
Dort wird meist auf Zahnprobleme behandelt, was in dieser Phase
auch richtig ist. Oft wird damit aber die „Krankheit“
als erledigt angesehen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass hinter
Zahnproblemen oft eine Grunderkrankung steckt, die dann zu spät
oder gar nicht erkannt wird und das Tier doch stirbt.
Durch diese Grunderkrankung, die mit Schmerzen verbunden sein kann,
hat das Tier weniger Appetit, frißt weniger, dadurch wachsen
die hinteren Backenzäune mehr als sie sollten, es bilden sich
Zahnspitzen oder Zahnbrücken. Diese müssen dann entfernt
werden, aber – es sollte auch nach der Grunderkrankung geforscht
werden. Warum sollte ein Tier, das einige Jahre keine Zahnprobleme
hatte, plötzlich eine Zahnfehlstellung haben? Das kann
vorkommen durch Veränderungen des Kiefers, aber auch hier ist
zu untersuchen, WARUM sich der Kiefer verändert? Wir
hatten noch NIE einen Fall, bei dem es mit dem Entfernen der Zahnspitzen/-brücken
getan war, es verbarg sich immer eine andere Erkrankung hinter den
Zahnproblemen.
WICHTIG: Die Nagezähne vorne, die der Halter sehen kann, sind
meist in Ordnung. Die Tiere versuchen zu fressen, können aber
mit den Backenzähnen keine Mahlbewegungen mehr ausführen,
weil schon Zahnspitzen gewachsen sind. Wer hier nicht genau hinschaut,
merkt nicht, dass sein Tier bei lebendigem Leib verhungert. Über
die einmal wöchentliche Gewichtskontrolle sind Zahnprobleme
noch am schnellsten erkennbar.
Der wöchentliche Meeri-TÜV:
Krallenkontrolle, ggf. kürzen, Poppo u. Ohren sauber? Mit den
Fingern gegen den Strich durch das Fell fahren, ob evt. Kratzstellen
oder Grind zu spüren sind (evt. vorbeugend mit Kieselerde/Propolis
behandeln).
Meerschweinchen genau beobachten, frißt es mit Appetit,
sind die Augen klar, bewegt es sich oder sitzt es nur in einer Ecke,
hat es ein gesträubtes Fell, bei solchen Anzeichen bitte sofort
zum Tierarzt.
Gesund oder krank?
Unsere Meerschweinchen lieben Erbsenflocken über alles (z.B.
über Ebay erhältlich). Zur ersten „Heu-Runde“
gibt es deshalb einige Erbsenflocken aus der Hand gefüttert
(ca. 5 Stück pro Tier). Wenn alle kommen und sich auf die Erbsenflocken
stürzen, ist das ein sicheres Zeichen, dass jedes bei gutem
Appetit und damit gesund ist. Ein krankes Tier verweigert meist
als erstes die Nahrung oder frißt weniger.
Wer diesen „Gesundheitstest“ morgens macht, hat tagsüber
Zeit, sein Tier zu beobachten und ggf. noch am gleichen Tag einen
Tierarzt aufzusuchen. Wenn Meerschweinchen krank sind, ist Eile
immer angebracht.
Nützliche Internetseiten:
www.diebrain.de
www.fraumeier.de
(TA-Seite, u.a. Critical Care-Päppelfutter erhältlich)