Sozialverhalten:
Meerschweinchen als Rudeltiere dürfen (genau wie Kaninchen)
nicht einzeln gehalten werden.
Auch eine Haltung Meerschweinchen/Kaninchen lehnen wir
ab, da die Tierarten verschiedene Sprachen sprechen und sich untereinander
nicht austauschen können. Meerschweinchen „plappern“
den ganzen Tag, die Sprache hat unglaublich viele Varianten. Sie
schlafen meist einzeln, kuscheln nicht sehr oft miteinander, putzen
sich nur selten gegenseitig (Ausnahme: Mutter und Kinder).
Kaninchen kommunizieren über die Körpersprache,
eine Lautäußerung erfolgt selten (Knurren bei Bedrohung
etc.), sie kuscheln gern und viel, putzen sich gegenseitig und haben
– im Gegensatz zu Meerschweinchen – feste Toilettenecken.
Sie mögen es nicht, dass Meerschweinchen überall pinkeln
und köddeln. Stubenreine Meerschweinchen sind eine Ausnahme,
stubenreine Kaninchen fast die Regel.
Aus allen diesen Unterschieden ist es nicht artgerecht,
Meerschweinchen u. Kaninchen zusammen zu halten! Da Kaninchen per
Körpersprache mit dem Meerschweinchen kommunizieren, wird fälschlicherweise
das Kuscheln und Putzen als "sie mögen sich" von
den Haltern interpretiert. Dabei versucht das Kaninchen nur, sich
mit dem Meerschweinchen in Ninchensprache zu verständigen,
was nie klappt, da das Meerschweinchen diese nicht versteht. Umgekehrt
kann das Kaninchen die Laute des Meerschweinchens nicht deuten.
In dieser Haltungsform ist jeder der Benachteiligte!
Wir möchten, dass unsere Meerschweinchen artgerecht vermittelt
werden.
Die ideale Haltung ist ein kastriertes Böckchen mit
einer oder mehreren Damen. Diese Haltungsform kommt dem Familiencharakter
am nächsten. Siehe auch "Vermittlungskriterien".
Was auf keinen Fall harmoniert, sind zwei oder mehr Böcke zusammen
mit Weibchen auf einer Fläche. Die Böcke werden so lange
um die Rangordnung kämpfen, bis einer (schwer) verletzt oder
auch tot ist.
Eine weitere Haltung ist die reiner Bock-Gruppen, wobei es auch
hier immer einen Chef gibt und der Rest der Gruppe sich unterordnet.
Bei dieser Haltungsart ist eine Kastration nicht unbedingt notwendig,
es müssen aber verträgliche Böckchen sein, da es
sonst zu ernsthaften Beißereien kommt, die oft eine Trennung
nötig machen.
Böcke vor der Geschlechtsreife (bis ca. 6- 8 Monaten) vertragen
sich meist sehr gut, dies kann sich nach dem „Erwachsenwerden“
ändern. Erst in dieser „Rappelphase“ entscheidet
es sich, ob die Harmonie von Dauer ist. Wenn Böckchen sich
vorher schon oft „in der Wolle haben“, ist abzusehen,
dass es auf Dauer nicht klappen wird.
Ob es sich um Geschwister handelt oder nicht, ist dabei unerheblich,
die Ausfechtung der Rangordnung ist eine reine Charaktersache. Unseren
Erfahrungen nach sind ca. 80 % der Böcke nicht Bockgruppen-tauglich!
Wenn Böckchen getrennt werden müssen, empfehlen wir, diese
spätestens dann kastrieren zu lassen und jeweils einzeln zu
einem oder mehreren Weibchen zu setzen. Nach der Kastration ist
ein Bock noch ca. 4-6 Wochen zeugungsfähig, erst dann darf
er zu Damen.
Platzbedarf:
Pro Meerschweinchen rechnet man mit einem Platzbedarf von 0,5 qm.
In den Anden, wo die Meerschweinchen ursprünglich herstammen,
legen die Tiere täglich ca.
10 km auf der Suche nach Futter zurück. Deshalb ist Bewegung
für Meerschweinchen unverzichtbar. Wenn der Platzbedarf nicht
dauerhaft angeboten werden kann, muss täglich mehrere Stunden
Freilauf möglich sein. Meerschweinchen sind Fluchttiere, ihre
natürlichen Gegner kommen von oben und auf gleicher Höhe,
deshalb auch im Freilauf immer eine oder mehrere Fluchtmöglichkeiten
(Häuschen o.ä.) anbieten. Sonst sind die Tiere unnötigem
Stress ausgesetzt, was zu Milben- oder Pilzbefall führen kann.
Wir konnten auch schon beobachten, dass Meerschweinchen in einem
Bodengehege sehr ängstlich waren, was sich deutlich besserte,
als das Gehege etwa in Tischhöhe aufgestellt wurde.
Meerschweinchen sind unserer Erfahrung nach KEINE idealen
Kindertiere, wie das die Werbung und auch diverse Bücher glauben
machen wollen. Es sind relativ empfindliche Kleintiere, die bei
guter, artgerechter Haltung 6-10 Jahre alt werden können. Oft
wird aus Unkenntnis das Leben der Tiere stark verkürzt, z.B.
durch die ausschließliche Fütterung mit Trockenfutter
etc.
Meerschweinchen haben dünne, empfindliche Beine, die schnell
gebrochen sind, wenn ein Kleinkind daran zieht und festhält,
das Tier aber seinem natürlichen Fluchtempfinden nachgehen
will. Sind die Kinder zu klein und lassen das Tier fallen, weil
dieses sich unerwartet schnell bewegt, kann auch dieses zu Brüchen
führen, die so schwer sind, dass das Meerschweinchen evt. eingeschläfert
werden muß (z.B. gebrochener Kiefer, keine Nahrungsaufnahme
mehr möglich). Wenn Meerschweinchen für Kinder angeschafft
werden, sollten die Kinder mindestens 8 Jahre alt sein, damit die
Tiere nicht als reines „Spielzeug“ angesehen werden.
Wichtig ist, dass die Eltern die Verantwortung für die Tiere
übernehmen, denn Kinder können nicht einschätzen,
ob Tiere krank oder gesund sind. Auch die regelmäßige
Reinigung des Käfigs und die wöchentliche Kontrolle der
Tiere muß in der Verantwortung eines Erwachsenen liegen. Nur
so lernen Kinder den verantwortungsvollen Umgang mit Lebewesen.
Käfigreinigung:
Nur mit Essigwasser, es desinfiziert das Gehege und schadet den
Tieren nicht. Einige Spritzer Essigessenz (niemals unverdünnt
anwenden!) auf einen Eimer Wasser, bitte keine Chemie wie
Sagrotan o.ä.
Holzhäuser (keine Plastikhäuser = Hautpilzgefahr durch
Feuchtigkeitsbildung) im monatlichen Abstand grundreinigen. Mit
Essigwasser abschrubben und zum Austrocknen bei 70 Grad für
1 Std. in den Backofen geben.
Eingetrocknete Urinflecken oder Urinstein lassen sich leicht
mit einem sogenannten Bio-Putzstein (runde Dose mit integriertem
Schwamm) entfernen, der in Drogeriemärkten für wenig Geld
zu kaufen ist.
Hilfreich ist auch ein passend zugeschnittenes Stück
PVC (kein Textilrücken) auf dem Boden des Geheges, das PVC
läßt sich für die Reinigung herausnehmen und schont
gleichzeitig den Wannenboden. Wenn es lose auf dem Boden liegt,
ist es auch schnell einmal ausgetauscht, wenn es durch den Urin
stumpf und porös geworden ist.
Das PVC muß komplett mit Einstreu bedeckt sein, damit die
Tiere nicht daran knabbern können.