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Der
Macho und die Mädels
(Dominanz)
Aggressiv oder krank ?
(Blasensteine)
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Der Macho und die Mädels
(Dominanz)
Pepe war ein stattlicher Glatthaarbock und auf der Suche nach einer
neuen Partnerin. Die Halterin von Pepe gab uns vorab viele Informationen,
was er gerne futterte, dass er sehr verschmust war, sich aber immer
erst beim abendlichen Freilauf in der Wohnung austoben wollte, bevor
er zum Kuscheln auf den Schoß kam etc. Pepe bewohnte einen Käfig
im Wohnzimmer mit den stattlichen Maßen von 140 x 70 cm, etwas
langweilig eingerichtet, aber sonst in Ordnung.
Seine Partnerin war mit 3 Jahren gestorben, sie hatte schon eine ganze
Zeit gekränkelt, mal dies, mal das und nun war sie nicht mehr
da. Nach 4 Wochen Alleinsein merkte man Pepe deutlich an, dass das
auch für einen selbstbewußten Mann wie ihn kein Zustand
war, er wurde immer lustloser, futterte weniger und nahm auch ab.
Eine neue Frau mußte her!
Also ging Pepe an einem Samstag zusammen mit seinen Zweibeinern auf
die kurze Reise zu uns. Hier wartete auch schon ein 140er Käfig
sowie 3 Damen, die wir Pepe vorstellen wollten.
Schon kurz nach der Zusammenführung machte die erste Dame, Mimi,
klar, dass sie von ihm nichts wissen wollte, sie protestierte laut,
bis wir sie aus dem Käfig herausnahmen.
Sara und Lissy hielten es länger aus, sie waren aber auch nicht
solche Diven wie Mimi. Nach einer weiteren halben Stunde wurde deutlich,
dass auch Sara nicht die Richtige war, Pepe war zu forsch und Sara
mochte das nicht.
Lissy, ein cooles Mädchen, ließ sich von Pepe nicht aus
der Ruhe bringen. Es war keine Liebe auf den ersten Blick, aber es
konnte noch werden. Also durfte Pepe 2 Stunden später mit Lissy
zusammen nach Hause fahren.
Nach unseren Erfahrungen aus zahlreichen anderen Vergesellschaftungen
blieb ein Fragezeichen, ob es auf Dauer paßte mit den Beiden.
Pepe hatte richtig aufgedreht während der Zusammenführung,
Lissy hatte eher zurückhaltend reagiert. Wir vereinbarten, dass
wir die ersten Tage in engem Kontakt mit den Haltern bleiben würden,
um jederzeit informiert zu sein.
Am nächsten Tag kam eine SMS, die nicht sehr positiv war, wir
telefonierten. Pepe lag den ganzen Tag vor dem Häuschen, in dem
Lissy saß, er ließ sie nicht heraus und sein größter
„Spaß“ war, immer wieder mit der Schnauze in das
Haus zu schauen und Lissy zu beißen, was diese natürlich
mit lautem Gequieke und Gejammer kommentierte.
Beiläufig erwähnte die Halterin, dass er das mit seiner
vorigen Partnerin auch schon gemacht hätte. Da diese die letzten
Monate aber ernsthaft krank war und sich bei Pepes Angriffen nicht
wehren konnte, lebten beide in dieser Zeit getrennt durch ein Gitter.
Diese Information erfuhren wir erst jetzt, weil die Halter diese nicht
als wichtig einstuften.
Für uns war diese Information der Schlüssel zu allem, denn
jetzt war klar:
Pepe war ein großer Meerschweinchen-Macho, der sich einen Spaß
daraus machte, seine Partnerinnen den lieben langen Tag zu ärgern
und zu schikanieren. Ein kleiner Stänkerer, aber sehr liebenswert
und zum Fressen süß. Lissy war für ihn nicht die Richtige,
deshalb zog sie einen Tag später wieder bei uns ein.
Was Pepe brauchte, war eine Partnerin, die mit seinem Gestänkere
umgehen konnte, solche Charaktere sind unter Meerschweinchendamen
nicht gerade häufig zu finden. Es war auch nicht sicher, ob es
auf Dauer gutgehen oder das Verhältnis doch zum Negativen „kippen“
würde
Die beste Lösung für Pepe war – ZWEI Frauen, damit
nicht eine alleine alles abbekam, außerdem wäre Pepe dann
besser ausgelastet.
Nun trafen wir auf unerwarteten Widerstand, nicht bei der Halterin,
aber bei ihrem Mann.
Nein, zwei Meerschweinchen seien genug, ein drittes käme nicht
in Frage. Nachdem keine Meinungsänderung zu erwarten war, lehnten
wir es ab, weiter nach einer Partnerin für Pepe zu suchen, denn:
Unserer Überzeugung nach hat die Haltungsform sehr viel Einfluß
auf Psyche und Gesundheit der Tiere. Wenn die Harmonie innerhalb der
Gruppe nicht stimmt, besteht Dauerstress. Dieser ist über kurz
oder lang Auslöser für Krankheiten. Meist fängt es
klein an mit Milben oder anderen Parasiten, die nicht in den Griff
zu bekommen sind; irgendwann können ernsthafte Krankheiten folgen,
je nachdem, wie gut oder schlecht das betreffende Tier mit dem Dauerstress
zurechtkommt.
Bei Pepe stellte sich weiter heraus, dass es schon die zweite Partnerin
war, die er hatte, beide waren „kränkelnd“. Die Schlußfolgerung
war, dass wir bei EINER weiteren Partnerin wissentlich (!) ein höheres
Krankheitsrisiko für dieses Tier eingegangen wären! Wir
wollten es nicht verantworten, ein Tier auf einen Platz zu vermitteln,
wo damit zu rechnen war, dass das Zusammenleben mit einem „Ich-bin-der-King“-Typ
die Lebensdauer um einige Jahre verkürzen würde, weil der
Stress auf Dauer zu hoch war.
Für die Halter von Pepe war das alles eine völlig neue Betrachtungsweise.
Die Details, die wir nach und nach über das Zusammenleben von
Pepe und seinen bisherigen Partnerinnen erfuhren, paßten aber
genau ins Bild, die Halter konnten viele Dinge nachvollziehen und
sich erklären, die sie früher nicht in Zusammenhang gebracht
hatten. Sie wollten über alles nachdenken.
Auch über eine Erweiterung des Käfigs durch eine erste und
zweite Etage, damit 3 Tiere genug Platz hatten und, was bei Macho
Pepe besonders wichtig war, sich auch einmal aus dem Weg gehen konnten.
Nach einigen Tagen Bedenkzeit (Pepe saß immer noch alleine,
wurde aber zusehens depressiver) begann die Bauphase, die Stockwerke
wurden zusammengeschraubt, die Entscheidung für 3 Tiere war endgültig
gefallen, weil es einfach das Beste für Pepe war.
Wir bekamen den Auftrag, zwei passende Damen zu suchen, sie sollten
sich schon kennen und selbstbewußt sein, nach dem Motto „Gemeinsam
sind wir stark“. Über die Meerschweinchen-Foren war nach
einigen Tagen das passende Duo, Schneeweißchen und Rosenrot,
gefunden.
Die Vergesellschaftung fand im Badezimmer statt, damit wirklich genug
Platz zum Zusammenraufen vorhanden war (wenn kein Macho im Spiel ist,
reicht die Badewanne!).
Es ging recht heftig zur Sache, erinnerte sehr an die Vergesellschaftung
einer Böckchen-Gruppe. Schneeweißchen, die Chefin der Mädels,
klapperte mit den Zähnen, stieg hoch, drohte, wackelte mit dem
Hintern... Macho Pepe konnte sich das natürlich nicht bieten
lassen und stänkerte zurück. Er begriff aber schnell, dass
er mit diesen beiden selbstbewußten Damen (manche sagen dazu
„Zicken“ ) nicht so umspringen konnte wie mit seinen bisherigen
Partnerinnen. Die Beiden gaben ihm Kontra! Nach 2 Stunden Badezimmeraufenthalt
zogen alle in den 140er Käfig um. Da gab es erwartungsgemäß
wieder ein bißchen Gerangel. Trotz frischer Reinigung war Pepe
natürlich in „seinem“ Revier, aber die Fronten beruhigten
sich schnell, im Grunde war er froh, dass er nicht mehr alleine war.
Die ersten Tage zu Dritt gab es hin und wieder noch Zähnegeklapper,
Poppowackeln und manchmal kurze Bisse, aber es lief gut. Pepe lernte,
dass er mit seinem Gestänker nicht mehr ankommt und verhält
sich nun neutraler. Natürlich ist und bleibt er ein Macho, aber
einer, der sich nun besser benimmt als vorher!
Auffallend ist auch, dass er sich vor der abendlichen Schmusestunde
nun nicht erst beim Freilauf auspowern muß, sondern sofort auf
den Schoß zum Schmusen kommt. Ein Zeichen, dass er tagsüber
nicht mehr unterfordert ist. Durch seine zwei Mädels wurde er
wesentlich agiler und ausgeglichener. Mehr Bewegung bedeutet auch
mehr Training für Muskeln und Verdauungstrakt, dazu die psychische
Ausgeglichenheit – vielleicht spart es sogar den einen oder
anderen Euro an Tierarztkosten?
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Aggressiv oder krank ?
(Blasensteine)
Wegen Umzugs übernahmen wir zwei Weibchen aus Außenhaltung,
die letzten eines großen Rudels von neun Tieren. Wir besichtigten
die Haltung, schauten uns die Tiere an, sie waren bis auf etwas
lange Krallen in einem guten Zustand.
Da wir selbst keinen Platz mehr hatten wegen anderer Pflegetiere,
holte eine Meerschweinchen-Besitzerin die beiden direkt vom alten
Zuhause zu sich. Ein Weibchen sollte zu der vorhandenen Zweiergruppe
ziehen, da ein Schweinchen gestorben war. Das zweite Weibchen sollte
weitervermittelt werden, fand dort aber vorübergehend Unterkunft.
Wir hörten nicht viel von der Pflegestelle, aber da wir schon
Tiere dorthin vermittelt hatten, vertrauten wir darauf, dass alles
gut lief.
Nach drei Wochen
wurden die Probleme so massiv, dass wir nun genauer informiert wurden.
Cindy, die dominantere der beiden Weibchen, sei sehr aggressiv gegenüber
den anderen Tieren, sobald jemand in ihre Nähe käme, würde
sie beißen. Entgegen unseren Empfehlungen hatte die Familie
die Tiere immer wieder getrennt, wenn es zu schlimm wurde, aber
nach einiger Zeit wieder zusammengesetzt. Ein Fehler, der immer
wieder gemacht wird, denn wenn die Frage der Rangordnung nicht definitiv
geklärt wird, schaukelt sich die Situation von Versuch zu Versuch
immer mehr auf, es wird meist nur schlimmer (siehe auch "Eingewöhnung“).
Da keine Aussicht auf Besserung bestand, sollte Cindy zu uns übersiedeln.
Die Vergesellschaftung
mit Böckchen Krümel machte ich bei schönstem Sommerwetter
im Garten-Freilauf. Schon nach einigen Minuten fiel mir auf, daß
Cindy beim Pippimachen ihr Hinterteil komisch in die Höhe streckte.
Nach einer halben Stunde war klar, dass sie Probleme mit den Harnwegen
hatte, denn sie pinkelte auch viel zu oft bzw. versuchte es, meist
kam aber nichts. Sie schien eine massive Blasenentzündung zu
haben. Der „Handtuchtest“ bestätigte die Vermutung,
das Pippi auf dem weißen Handtuch hatte eine leichte Rotfärbung,
es war Blut im Urin**.
Die Tierärztin
bestätigte die Diagnose, wir behandelten einige Tage auf Blasenentzündung.
Es wurde nicht besser, Cindy benahm sich weiterhin wie eine „Kratzbürste“.
Sie war in ihrer früheren großen Außenhaltungsgruppe
die Chefin gewesen, sehr selbstbewußt und nun war sie krank,
damit konnte sie nicht umgehen. Dazu kam, dass ihr jede Berührung
weh tat und sie nach dem Motto „lieber selbst beißen
als Schmerzen haben, wenn mir jemand nahe kommt“ alle Meerschweinchen
verscheuchte. Damit sie zur Ruhe kam, durfte sie vorerst alleine
wohnen.
Ein Röntgenbild bestätigte unsere schlimmste Befürchtung,
Cindy hatte einen Blasenstein, der operativ entfernt werden mußte.
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Cindy's
Blasenstein |
Zusätzlich
hatte sie noch eine Entzündung am Fuß, irgendetwas hatte
sich in ihren Fußballen gebohrt und eiterte. Glücklicherweise
lag ihr Gewicht noch bei ca. 850 gr, dazu war sie eine kleine Kämpferin
- wir vereinbarten den OP-Termin. Als ich sie abholte, überreichte
mir die TÄ das Objekt allen Übels: ein Blasenstein mit
einem Durchmesser von einem halben Zentimeter. Cindy mußte
schon monatelang Schmerzen gehabt haben, aber es war leider niemandem
aufgefallen.
Die Heilung lief gut, Cindy erholte sich erstaunlich schnell, man
merkte ihr richtig an, wie sehr sie das Leben ohne Dauerschmerzen
genoß. Je besser ihr Zustand wurde, desto besser wurde das
Zusammenleben mit den anderen Meerschweinchen. Cindy ist eine liebenswerte,
selbstbewußte kleine Dame, auf Laufen legt sie großen
Wert, ihre Spaziergänge führen vom Wohnzimmer auf die
Terrasse und manchmal auch ein kleines Stück in den Garten.
Sie genießt es, sich den Wind um die Nase wehen zu lassen
und ist gesund und munter.
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**Nicht immer ist
Blut im Urin mit bloßem Auge erkennbar, sicherer ist ein Teststreifen
aus der Apotheke, der sog. okkultes (unsichtbares) Blut anhand einer
Verfärbung anzeigt. Praktische Ausführung: Eine kleine
Plastikbox mit Essigwasser gut reinigen, dann das Meerschweinchen
hineinsetzen und warten, bis Urin kommt. Den Teststreifen in den
frischen Urin halten und anhand der Packungsbeilage das Ergebnis
ablesen. Bei nicht eindeutigem Testergebnis öfter wiederholen.
Schmerzen im Bereich der Harnwege sind sehr heftig, man sollte seinem
Schweinchen diese nicht länger als notwendig zumuten.
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